Ein Rückblick: Deutscher Lackierertag 2017


Von:  Bundesverband Dr. Albert Bill / Christine Marzulla / 06.11.2017 / 11:52 / 18 Tag(e)


Der Deutsche Lackierertag 2017, ausgerichtet durch die Bundesfachgruppe Fahrzeuglackierer, BFL im Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz war Ende September in Melle bei Osnabrück in den Räumen der Firma Werner Steinbreder GmbH zu Gast. Seitens der Lackindustrie wurde der Lackierertag in diesem Jahr durch die BASFCoatings unterstützt.


Der BFL-Vorsitzende Paul Kehle und Gastgeber Frank Steinbreder eröffneten den Kongress vor rund 260 Teilnehmern und 40 Ausstellern, der unter dem Motto „Themen von heute für den Erfolg von morgen“ stand. 

In seiner Begrüßungsrede wies der Präsident des Bundesverbandes Farbe Gestaltung Bautenschutz, Karl-August Siepelmeyer auf die Bedeutung der Förderung von Aus- und Weiterbildung im dualen System hin. Sie sei ein zentraler Bestandteil der Verbandsarbeit und würde den Verband mehr denn je fordern, um den notwendigen qualifizierten Personalbestand für das Lackiererhandwerk zu sichern.

Siepelmeyer, der übrigens in Welle beheimatet ist, unterstrich einmal mehr die Bedeutung der Verbandsarbeit:

„Als Berufsverband haben wir die Federführung bei der Ausgestaltung der Inhalte der von uns vertretenen Berufe, und als Tarifpartner versuchen wir auch auf diesem Terrain die Attraktivität für unseren Beruf angemessen zu steigern, wie der gerade mit der Gewerkschaft ausgehandelte Tarifabschluss zeigt.“

Ein Brennpunktthema: Rechnungskürzungen bei Verbringungskosten, Beilackierung etc. oder gar aus Willkür waren die Kernpunkte, die RA Bernd Matthias Höke, Geschäftsführer von ETL, Kanzlei Voigt RechtsanwaltsGmbH in seinem Vortrag erläuterte. Den anwesenden Firmeninhabern wurde aufgezeigt, wie man sich gegen Rechnungskürzungen aus Sicht der Betriebe erfolgreich zur Wehr setzen kann. Die Bundesfachgruppe Fahrzeuglackierer BFL kooperiert seit längerer Zeit mit der Kanzlei Voigt und empfiehlt den Betrieben, im eigenen Interesse und im Interesse der Kunden, sofern die rechtlichen Voraussetzungen gegeben sind, im Schadenfall für die Unfallabwicklung Anwalt und Sachverständigen einzubinden.

Henrik Lange, Vertriebsleiter Automotive der Control€xpert GmbH stellte seine Vision eines Schadenprozesses dagegen: Wer die Zukunft mitgestalten und das Kommende sogar voraussagen wolle, müsse bereits heute damit beginnen. Die von Henrik Lange aufgezeigten Perspektiven sind Teil der zunehmenden Digitalisierung, die auch vor dem Reparaturhandwerk nicht Halt machen wird. Verschiedene Szenarien, die aufgezeigt wurden, haben klar gemacht, dass die wirklichen Veränderungen und Herausforderungen unser Handwerk noch gar nicht erreicht haben, das Reparaturgewerbe sich aber besser früher als zu spät auf Änderungen der Abläufe und Prozesse z.B. bei der Teilebeschaffung einstellen muss, um auch zukünftig im Markt bestehen zu können.

Um dem Treiben der Schadensteuerer im eigenen Betrieb entgegenzuwirken, gibt es auch konstruktive Wege: Stefan Höslinger von HEPP Unternehmensimpulse stellte die Inhalte der Fortbildung zum "Kfz-Unfallschadenmanager" vor. Fahrzeugtechnik und Schadendiagnose, Schadendokumentation und -kalkulation, Schadens- und Versicherungsrecht sowie Auftragssteuerung und Kundenbetreuung sind Themen der umfassenden Fortbildung. Gastgeber Frank Steinbreder berichtete über seine persönlichen Erfahrungen auf dem Weg zum qualifizierten Unfallmanager und die Bedeutung für sein Unternehmen.

Zu den Themen „Digitalisierung“ bzw. digitale Hilfsmittel in der Werkstatt lieferten Clemens Bierig und Martina Fischer von der BASF Coatings GmbH zum aktuellen Stand der Technik und zu den Möglichkeiten und der Unterstützung, die Glasuritkunden schon heute in Anspruch nehmen können, wichtige Informationen.

Weitere Themen zu moderner Werksttausrüstung in Verbindung mit „schlanken“ rentablen Werkstattprozessen und modernen Reparaturtechniken präsentierten Joachim Bitzer von der BASF Coatings GmbH und Wolfgang Schüssler von der Carbon GmbH.

Wenn Oldtimer-Eigner auf unser Handwerk treffen, ist von Originalität und Wertsteigerung die Rede. Sich mit den oftmals naiven Vorstellungen der Fahrer mutmaßlich wertvoller Oldtimer auseinanderzusetzen, ist Grundvoraussetzung für das gegenseitige Verstehen.

Jürgen Book (bei BASF zuständig für Classic Cars) und Martin Stromberg (geschäftsführender Gesellschafter von Classic Data) berichteten über die Anforderungen an die Reparaturlackierung bei Young- und Oldtimern. Ganz wichtig sei das Verständnis des Instandsetzungsbetriebes in Bezug auf die Werthaltigkeit bei der Restauration und Lackierung. Lack spiele einen wesentlichen Faktor bei der Werterhaltung und es gäbe eine Menge zu beachten, um nicht in die Regressfalle zu geraten.

Ansprüche und Wünsche der Oldtimer Eigner weichen z.T. erheblich von der Realität im Fachbetrieb ab. Stichworte wie Nitro-, Kunstharzlack und Original-Farbton lassen die Ohren der Lackspezialisten klingeln. So sei es aber auch schon vorgekommen, dass manche Reparatur den Verlust des H-Kennzeichens zur Folge hatte. Der Erhalt der historischen Substanz, also „Erhalt vor neu“ werde immer wichtiger, aber nicht bei jedem Auftraggeber. Das Gespräch mit dem Kunden und die schriftliche Auftragserteilung seien daher auch zur eigenen Absicherung absolut notwendig.

Über ein neues Online-Angebot, das sich als Schnittstelle zwischen Kunden und Werkstätten sieht, informierte Bastiaan Marechel von der Fixico Deutschland. Im Fokus bei Fixico stehen insbesondere die durch Kunden eigenverschuldeten Schäden, für die eine kostengünstige Reparatur gesucht werde.

Mehr Arbeitsspaß und Lebenszeit verspricht die Digital-Therapie von Anitra Eggler. Ihr Abschlussreferat "Vom Handy versklavt, von Emails getrieben?“ öffnete die Augen es Auditoriums vor der täglichen Zeitverschwendung. Dem Smartphone würde heute mehr Beachtung zukommen, als der Familie.

Einfache, praxisnahe und motivierende Erfolgsregeln, wie die digitale Kommunikation qualitativ um mindestens 50 Prozent verbessert werden könne, sei sofort umsetzbar und kinderleicht.

So rät sie dazu, alle Push-Mitteilungen abzuschalten, um nicht stetig abgelenkt zu werden. Neben den allgemeinen Öffnungszeiten empfiehlt sie, Email-Öffnungszeiten bekanntzugeben, da auch diese stets für Ablenkung von den wesentlichen Aufgaben sorgen. Wer Emails sähe, ernte eine Email-Flut: Ein Telefonat sei oft die bessere Lösung. Wenn dieses Telefon dann auch nach Dienstschluss in der Firma bleibe, sei die Erholung am Feierabend nahezu sicher.

Die Maßnahmen helfen, so die Digital-Therapeutin, gegen Email-Wahnsinn und WhatsApp-Pest.

In einer den Lackierertag begleitenden Auktion des Lackpartners Glasurit wurden „Plüsch-Papageien“ zugunsten des Fördervereins der Grundschule Neuenkirchen verkauft bzw. versteigert. Während des Lackierertags und ein einer hitzigen Auktion um das letzte Papageienexemplar, kamen auf diese Weise 800 Euro zur Sprachförderung der Grundschulkinder zusammen.

Die Abendveranstaltung, zu der BASF Coatings die Teilnehmer des Deutschen Lackierertages eingeladen hatte, fand im sehenswerten „Automuseum Melle“ statt. In einem alten Fabrikgebäude in Melles Norden sind rd. 250 automobile Kuriositäten und Oldie-Raritäten - die allermeisten sind übrigens fahrbereit - zu bestaunen. Ein super Tagesausklang, der bei den Teilnehmern in guter Erinnerung bleiben wird.


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