Maler und Lackierer - ein meisterliches Handwerk

Hohe Qualitäts- und Einstiegsbedingungen gibt es im Handwerk seit dem Mittelalter. 1953 wurde das Gesetz zur Ordnung des Handwerks erlassen, nach dem grundsätzlich ein Meisterbrief zur selbständigen Ausübung des Handwerks verlangt wurde. Mit der Handwerksordnung von 1953 wurde gesetzlich festgeschrieben, dass nur die Meisterprüfung – der "Große Befähigungsnachweis" – dazu berechtigt, einen eigenen Handwerksbetrieb zu eröffnen.

Im Maler und Lackiererhandwerk ist der Meistertitel auch heute noch das Qualitätsmerkmal für Führungskräfte. 
Er ist Garant für hohe Qualität, eine sehr gute Ausbildungsleistung, für hohen Arbeits- und Verbraucherschutz (die sogenannten „gefahrengeneigten Tätigkeiten“) - und für ein nachhaltiges Unternehmertum.

 

 

Schon gewusst? 

Meisterbriefe enthalten seit 2014 den Hinweis, dass der Abschluss als Handwerksmeister im Deutschen und Europäischen Qualifikationsrahmen (DQR / EQR) dem Niveau 6 entspricht. Also auf einer Stufe mit dem akademischen Bachelor.

Ohne Meister/in keine Lehrlinge.

Der Meisterbrief ist eine gewachsene Institution, die im Handwerk in hohem Maß identitätsstiftend wirkt.

Handwerkliche Traditionen und Werte sind eng mit dem Anspruch verknüpft, als selbstständiger Meister/in einen eigenen Betrieb zu führen und Lehrlinge auszubilden. Gerade Unternehmen, die schon in der zweiten oder dritten Generation das Malergewerk ausüben, wollen diese Tradition fortführen. Der Meisterbrief sorgt dafür, dass exzellente berufliche Bildung im Malerhandwerk an die nächste Generation weitergegeben werden kann. Er steht für eine fundierte und umfassende Ausbildung.


Meister/innen wissen, was sie tun und wie sie es tun.

Durch die Meisterprüfung wird festgestellt, dass Jemand befähigt ist, einen Betrieb selbständig zu führen, komplexe technische, kaufmännische und personalwirtschaftliche Leitungsaufgaben wahrzunehmen, die Ausbildung durchzuführen und seine Kompetenzen immer wieder selber an neue Bedarfe anzupassen.


Handwerksmeister/innen:

  • haben in allen Bundesländern die Berechtigung, ohne Abitur an einer Hochschule zu studieren.
  • können sich zum Geprüften Betriebswirt/in (HwO) fortbilden und damit zusätzlich betriebswirtschaftlicher Profi werden.
  • können Lehrlinge ausbilden und damit einen leistungsfähigen und motivierten Nachwuchs heranbilden. Sie sind kompetente Ansprechpartner/innen im Betrieb und verfügen über eine hohe Autorität.
  • haben einen Vorsprung an Wissen und Können. Das bewährt sich am Markt und im Kontakt mit Kunden. Wer sich auskennt, kann interessante Nischen nutzen und am Markt für sich erschließen.
  • sind flexibel und innovativ. Das schützt nachhaltig vor Beschäftigungslosigkeit.
  • leiten erfolgreich Betriebe. Sie bekommen eher notwendige Bankkredite als unqualifizierte Gründer/innen. Meisterbetriebe gehen seltener insolvent als andere Betriebe.

     

Die Meisterprüfung ist in den gewerkspezifischen Meisterprüfungsverordnungen geregelt, die Prüfung nehmen die Meisterprüfungsausschüsse in den Handwerkskammern ab. Vorbereitungskurse auf die Meisterprüfung an den Bildungseinrichtungen der Wirtschaft, bereiten angehende Meister zuverlässig auf die Meisterprüfung vor.

Meisterhaftes Handwerk sichert Zukunft.

Die Handwerksnovelle 2004, die einige Berufe aus der Meisterpflicht herausnahm, hat zu einem kurzfristigen Gründungsboom im deregulierten Teil des Handwerks geführt. Die neuen Betriebe bleiben aber meist sehr klein – zu klein, um ausbilden zu können. Gerade die vielen Solo-Selbstständigen, die nach Abschaffung der Meisterpflicht auf den Markt drängten, waren auch schnell wieder verschwunden. Deren Kunden standen bei Mängeln ohne Ansprechpartner und ohne Gewährleistung da.

Auch die Zahl der unzureichend kranken- und rentenversicherten Solo-Selbstständigen nimmt zu. Unwissenheit und Preisdruck verschärfen die Problematik. Davor hat der Meisterbrief geschützt, da das mit ihm vermittelte Wissen vor den gröbsten Fehlern schützt.


26. Juni 2019: Sachverständigenbefragung im Wirtschaftsausschuss

Zu einer möglichen Wiedereinführung der Meisterpflicht in einzelnen Gewerken des Handwerks hat der Wirtschaftsausschuss des Bundestags in Berlin Sachverständige befragt.

Dabei hob Ökonom Justus Haucap vom Düsseldorf Institute for Competition Economics die "Bestandsfestigkeit" von Meisterbetrieben hervor. Diese sei seit der Novellierung der Handwerksordnung "deutlich heruntergegangen". Diese Entwicklung resultiere nicht nur aus dem Wettbewerb, sondern läge auch an der abnehmenden Qualifikation. 

Als Begründung für die Meisterpflicht solle aber nicht nur die "Gefahrgeneigtheit" angeführt werden, erläuterte Jurist Martin Burgi von Ludwig-Maximilians-Universität München. Auch Qualitätssicherung und Verbraucherschutz seien aus europarechtlicher Sicht "legitime Ziele".

Vor Wettbewerbsbeschränkungen durch eine Ausdehnung der Meisterpflicht warnte Klaus Holthoff-Frank von der Monopolkommission. Er sprach sich dafür aus, den Meisterbrief als "freiwilliges Qualitätssiegel“ zu erhalten und eine Möglichkeit zu schaffen, auf anderen Wegen die  Qualifikation als Ausbilder zu erwerben.

Das Handwerk mit seinem "Leistungs- und Qualitätsversprechen" sei als Ausbilder unverzichtbar für die deutsche Wirtschaft, erklärte Prof. Friedrich Hubert Esser vom Bundesinstitut für Berufsbildung und regte an, die Diskussion um die Meisterpflicht mit einem erleichterten Zugang zur Meisterprüfung und zu einer Modernisierung der Meisterkurse zu verknüpfen.

ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke sprach sich dafür aus, die Meisterprüfung von Kosten freizustellen und bezeichnete den Meister als unverzichtbar. Der Wegfall in 53 Gewerken habe den verheerenden Eindruck hinterlassen: Kann jeder, steht jedem offen. Schwannecke plädierte dafür, sich jedes Gewerk einzeln anzuschauen und dann über eine mögliche Wiedereinführung der Meisterpflicht zu entscheiden.

Durch die teilweise Abschaffung der Meisterpflicht hat sich die Situation für Handwerk und Kunden verschlechtert, dies habe die Anhörung deutlich gemacht, sagte Rainer Reichhold, Präsident des Baden-Württembergischen Handwerkstags (BWHT). "Die Weitergabe von Wissen und Innovationsfähigkeit zwischen Meister, Geselle und Auszubildendem qualifiziert die nächste Generation fortlaufend und sichert so die Zukunft des Handwerks."

Mit der Frage, welche der bisher zulassungsfreien Berufe wieder unter die Meisterpflicht fallen könnten befassen sich die Wirtschaftspolitiker in Berlin eingehend. So sollen Fehler, die sich aus der Novellierung der Handwerksordnung 2004 ergeben haben, korrigiert werden.

Es bestehe zwar kein Anlass zu einer "gesamten Rolle rückwärts", so ZDH-Generalsekretär Schwannecke, wohl aber zu einer Anpassung der Handwerksordnung in Bereichen, in denen sich "dramatische Brüche" oder "Verwerfungen in der Unternehmenstruktur" zeigten.

Nach der Sommerpause sollen von Bundestag und Bundesrat ein Gesetzesentwurf vorgelegt werden.

Ziel ist eine Neuregelung zum 1. Januar 2020.

Zum Weiterlesen:

Prüfungsvorbereitungen für Meisterschülerinnen/Meisterschüler im Maler- und Lackiererhandwerk

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