Neue Talente gesucht – und gefunden: Die Bewerberwoche der Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main

Seit 2017 veranstaltet die Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main einmal im Jahr ihre Bewerberwoche. Für dieses innovative Konzept wurde die Innung mit dem 2. Platz des Innovationspreises #InnungmitZukunft ausgezeichnet. Alle Infos zum Projekt sowie ein Interview mit Joachim Letschert, Geschäftsführer der Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main, lesen Sie hier.

 

Die Bewerberwoche bringt junge Menschen und Maler- und Lackierbetriebe zusammen.

Für das Konzept der Bewerberwoche wurde die Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main mit dem 2. Platz des Innovationspreises #InnungmitZukunft ausgezeichnet.

 

Im Gespräch mit Joachim Letschert, Geschäftsführer der Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main

Im Gespräch mit Joachim Letschert, Geschäftsführer der Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main

Bei der Bewerberwoche der Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main beleben bis zu hundert junge Menschen zwischen Montag und Freitag die Räume der Innung in Frankfurt. Im Rahmen dieses innovativen Formats zur Nachwuchsgewinnung können Schülerinnen und Schüler den Beruf des Malers und Lackierers kennenlernen, ihre Eignung testen sowie Betriebe aus der Region treffen. Sie erleben einen durchgeplanten Tag, an dessen Ende die Frage steht, ob sie eine Einladung zum „Recall“ am Freitag bekommen. Doch von Anfang an.

Die Vorbereitungen beginnen frühzeitig

Im September erfragt die Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main bei den zuständigen Schulämtern die Zeiten der geplanten Betriebspraktika für das kommende Jahr. Dies hilft dabei, die Bewerberwoche zeitlich optimal gestalten zu können. Im November wird dann die Bewerberwoche final terminiert sowie Betriebe eingeladen. Zum Jahresende werden die Schulen und Bildungsträger über die nahende Bewerberwoche informiert. Zusammen mit den Einladungen werden auch direkt die Anmeldeunterlagen verschickt. Zwei weitere Erinnerungen stellen sicher, dass die Informationen die Ansprechpartner erreichen. Mit dieser Vorgehensweise konnte die Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main seit 2017 einen großen Verteiler mit Bildungsstätten aufbauen, der stetig erweitert wird.

Vier Tage und ein Recall

Die Teilnehmenden werden nach ihrer Anmeldung zunächst auf einen Bewerbertag verteilt. Die Bewerberrunden finden von Montag bis Donnerstag statt. An diesen vier Tagen werden die interessierten jungen Menschen in den Räumen der Innung in Frankfurt empfangen und durch den Tag begleitet. Zu Beginn steht eine Einführung in den Beruf des Malers und Lackierers sowie in die Ausbildung und Karrierechancen auf dem Programm. Danach erfolgt ein theoretischer Test. In diesem werden sowohl mathematische Kenntnisse als auch Allgemeinwissen abgefragt. In einem praktischen Test werden schließlich Genauigkeit und Farbverständnis geprüft.

Im Anschluss an beide Tests erhalten die Bewerberinnen und Bewerber eine Bewertung in einem persönlichen Gespräch. Ziel ist eine Einladung für den „Recall“ am Freitag, einem Speed-Dating mit Betrieben aus der Region. Aber auch Teilnehmende, die (derzeit) für ein Praktikum oder eine Ausbildung nicht geeignet sind, erhalten konstruktives Feedback sowie die Aussicht, im kommenden Jahr nach Verbesserung ihrer Leistungen erneut eingeladen zu werden.

Beim Recall am Freitag haben die eingeladenen Teilnehmenden dann die Möglichkeit, ein persönliches Gespräch mit Maler- und Lackierbetrieben zu führen, ihre Bewerbungsunterlagen abzugeben sowie einen Praktikums- oder Ausbildungsplatz zu erhalten.

Die Bewerberwoche – ein Erfolgsmodell

Seit 2017 konnte die Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main mit ihren sieben Bewerberwochen rund 1.000 Teilnehmende verzeichnen. Außerdem wurden im Rahmen der Veranstaltung 400 junge Menschen in einen Praktikums- bzw. Ausbildungsplatz vermittelt. Der darüber aufgebaute Verteiler mit Schulen und Bildungseinrichtungen wird zudem ganzjährig von der Innung Rhein-Main für die Auszubildendengewinnung eingesetzt. Sowohl Bildungsträger als auch Schulen kommen initiativ auf die Innung zu, wenn Schülerinnen und Schüler ein Praktikum suchen. Die Innung Rhein-Main empfängt zudem ganzjährig Schulklassen und führt Informationstage durch. Über die Bewerberwoche ist zudem der Kontakt zu Lehrern und Betreuerinnen derart gewachsen, dass die Innung als zuverlässiger Ansprechpartner für Fragen zum Maler- und Lackiererberuf wahrgenommen wird. Die Bewerberwoche wirkt damit das gesamte Jahr durch und erweitert jedes Jahr etwas mehr die Möglichkeiten, Auszubildende zu gewinnen. 

 

Im Interview: Joachim Letschert, Geschäftsführer der Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main

Herr Letschert, wie entstand die Idee zur Bewerberwoche und welche Ziele verfolgen Sie damit?

Die Idee entstand 2017 aus der Frage heraus, wie wir junge Menschen, die Interesse am Beruf des Malers haben, besser und schneller in ein Praktikum und anschließend in eine Ausbildung bekommen können. Federführend bei der Konzeptentwicklung war Felix Diemerling, mein Vorgänger und heutiger Obermeister. Das Ziel ist es vor allem, mit den Menschen direkt in Verbindung zu treten.

Mussten Sie zu Beginn viel Überzeugungsarbeit bei Betrieben, Schulen und Bildungsträgern leisten und falls ja, wie haben Sie das geschafft?

Bis heute stellen wir fest, dass wir durch das gut durchdachte Konzept eines „Maler-Assessment“ einerseits und die unkomplizierte Durchführung andererseits keine Überzeugungsarbeit leisten müssen. Vielmehr sind die Schulen und Bildungsträger froh, an diesem praktischen Konzept einfach teilnehmen zu können und empfehlen uns sogar weiter.

Auf welche Weise werden Schulen, Bildungsträger und Lehrkräfte in das Programm der Bewerberwoche einbezogen und wie gestaltet sich die Zusammenarbeit mit ihnen?

Für die Bewerberwoche schreiben wir unseren über die Jahre gewachsenen Verteiler an und gestalten einen einfachen und flexiblen Anmeldeprozess. Während der Tests tauschen wir uns mit den Lehrerinnen und Betreuern aus und vereinbaren oft auch weitere Aktionen außerhalb der Bewerberwoche.

Welches Feedback bekommen Sie von den Schülerinnen und Schülern zur Bewerberwoche?

Diejenigen, die in die Speed-Dating-Runde am letzten Tag der Woche eingeladen werden, profitieren mehrfach. Selbst wenn es zu keinem Praktikumsplatz kommt, haben sie oft ihr erstes Bewerbungsgespräch geführt und somit einen wichtigen Teil bei der Berufsfindung durchgespielt. Allen anderen können wir im persönlichen Gespräch ebenfalls Perspektiven aufzeigen. Unser Bestreben ist es, dass die Menschen mit einer Erkenntnis aus der Bewerberwoche herausgehen, und das ist von den Teilnehmenden auch so zu hören.

Wie sind die Rückmeldungen der Betriebe zur Bewerberwoche?

Die Betriebe sind zufrieden, denn sie vergeben an einem Tag bis zu fünf Praktikumsstellen. Natürlich entwickelt sich daraus nicht immer ein Ausbildungsverhältnis, aber das ist auch nicht zu erwarten. Die Praktika sind ja schließlich zum Reinschnuppern in den Beruf da.

Inwiefern hat sich die Bewerberwoche im Laufe der Jahre weiterentwickelt?

Wir sind weitestgehend bei unserem Konzept geblieben. Allerdings haben wir die Aufgaben verändern müssen und dem Zeitgeist, aber auch dem Bildungsniveau etwas anpassen müssen. Positiv verändert hat sich der Kontakt zu den Begleitpersonen, mit denen wir jetzt noch bewusster ins Gespräch kommen, um die Zusammenarbeit zu vertiefen oder um die Bedürfnisse besser abzustimmen.

Würden Sie das Konzept der Bewerberwoche auch anderen Innungen empfehlen? Und worauf sollten diese bei der Umsetzung achten?

Das Konzept ist für alle Innungen und auch Gewerke geeignet. Aufgrund unserer räumlichen Situation können wir die Veranstaltung über eine Woche mit über einhundert Teilnehmenden veranstalten. Genauso kann das Konzept aber auch an einem Tag mit zwei Betrieben und zehn Interessierten stattfinden. Wir stehen anderen Innungen gerne mit Rat und Tat zur Seite.

Was unternimmt die Maler- und Lackiererinnung Rhein-Main über die Bewerberwoche hinaus, um Nachwuchs zu gewinnen und zu fördern?

Vor allem durch die Bewerberwoche haben wir einen guten Kontakt zu den Schulen und Bildungsträgern aufgebaut. Wir besuchen deren Messen und laden sie in unsere Innung ein – ein Angebot, das gerne angenommen wird, weil hier in aller Ruhe ein Beruf erklärt werden kann, was auf einer Messe immer nur bedingt möglich ist.

Wir fördern vor allem unsere Ausbildungsbetriebe durch eine Berichtshefthilfe und durch den Ausbildungsverbund, in dem wir viele andere unterstützende Leistungen anbieten, wie Praktikumsberichtshefte, Ausbildungsordner oder Gesprächsvorlagen für Beurteilungsgespräche.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Maler- und Lackiererhandwerks?

Für unsere Mitgliedsbetriebe muss die Mitgliedschaft in der Innung eine spürbare Leistung und Erleichterung bringen. Umso wichtiger ist es, dass sich Innungen z.B. für einzelne Projekte oder auch Leistungen zusammenschließen und somit Leistungen aus dem Innungsverbund auch für ihre Mitglieder anbieten können. Ein gutes Vorbild ist der Sieger des Innovationspreises.