Die Digitalisierung betrifft alle Lebensbereiche und macht auch vor dem Handwerk nicht halt. Immer mehr Betriebe digitalisieren bereits ihre Geschäftsprozesse mithilfe von modernen Anwendungen und Werkzeugen. Die nächsten Schritte in der Digitalisierung sind die Nutzung von Massendaten (Big Data), Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik. Aber auch der Digitale Produkt-Pass, ein digitales Dokument, das detaillierte Informationen über den Lebenszyklus eines Produktes enthält, sowie neue Formen des Datenaustausches werden in der Zukunft auf Betriebe zukommen.
Diese Herausforderungen, auf die sich das Handwerk vorbereiten muss, bergen gleichzeitig aber auch Chancen.
Handwerk will Transformation aktiv mitgestalten
Das Handwerk will diesen Transformationsprozess aktiv und zum eigenen Vorteil gestalten. Zur Bekräftigung dieses Ziels kamen unter dem Motto „Gemeinsam digitalisieren“ der Zentralverband des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH), der Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH), der Bundesverband des Schornsteinfegerhandwerks (ZIV), der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK), der Bundesverband Farbe Gestaltung Bautenschutz (BV Farbe) und der Bundesverband Tischler Schreiner Deutschland (BV TSD) zusammen. Am Projekt nimmt außerdem der Bundesverband Metall (BVM) teil. An der Diskussion beteiligten sich Handwerkspräsident Jörg Dittrich und der designierte Vorsitzende des Vorstandes der handwerksnahen SIGNAL IDUNA.
Die beteiligten Handwerksverbände verabschiedeten nach Abschluss ihrer Konferenz die sogenannte „Berliner Erklärung“ als Startzeichen für die weitere Zusammenarbeit.
Warum Handlungsbedarf besteht
Der Zugang und die Nutzung von Daten spielen bei der Digitalisierung eine zentrale Rolle. Und genau hier liegt ein Problem des Handwerks: Es verfügt über enorm große Datenmengen, die allerdings in der Regel nicht digital zur Verfügung stehen und auf viele kleine Unternehmen verteilt sind. Die im Handwerk genutzte Software erlaubt zudem keine gewerkeübergreifende digitale Kommunikation.
Experten geben Denkanstöße
Im Rahmen der Konferenz lieferten Technologie- und Digitalisierungsexperten Denkanstöße und Einblicke in diese Themen. Unternehmensentwickler Thomas Andrae widmete sich dem Thema „Das Handwerk im Kontext von Plattformökonomie und digitaler Transformation“. Sein dringender Appell lautete, das Handwerk müsse sehr schnell an Digitalkompetenz zulegen, um nicht abgehängt zu werden.
Prof. Dr. Bastian Halecker, Professor für Technologie, Innovation und Entrepreneurship, präsentierte seine „Blaupause für das Handwerk in der digitalen Transformation“. Unter dem Titel „Ecosystemize your Business“ rief Julian Klawohl, Professor für Strategisches Management an der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HWT Berlin), das Handwerk auf, sich mit innovativen Business-Ökosystemen auseinanderzusetzen.
Wie es weitergeht
Nach der Konferenz sind diverse Folgeformate geplant, in denen konkret gemeinsame Handlungsfelder festgelegt werden. Das wichtigste Thema wird die Schaffung von einheitlichen Kommunikationsstandards für alle Gewerke sein, die einen störungsfreien Datenaustausch ermöglichen.

