Gemeinsam stark: Der Innungsverbund Schwaben

In einer beispiellosen Initiative bündelten im vergangenen Jahr sieben bayerische Innungen ihre Ressourcen unter dem Dach des Innungsverbunds Schwaben. Ihr Ziel: Die Entwicklung einer gemeinsamen Social-Media-Plattform, um den Herausforderungen des Fachkräftemangels und der schwachen Konjunktur zu begegnen. Für diese Initiative gewann der Innungsverbund Schwaben den diesjährigen Innovationspreis #InnungmitZukunft des Bundesverbandes Farbe Gestaltung Bautenschutz.

Dominik Haneberg (l.) und Stephan Rebholz bei der Verleihung des Innovationspreises 2024 auf der FAF

Der Innungsverbund Schwaben tritt nach außen mit einer einheitlichen Corporate Identity auf.

Im Gespräch mit Dominik Haneberg, dem Initiator des Projekts, wollten wir wissen, welche Aufgaben der Innungsverbund Schwaben übernimmt und wie seine Mitglieder davon profitieren können. Dominik Haneberg ist stellvertretender Landesinnungsmeister in Bayern, Obermeister und Lehrlingswart der Maler- und Lackiererinnung Oberallgäu sowie Prüfer im Gesellenprüfungsausschuss.

Herr Haneberg, was ist der Innungsverbund Schwaben und seit wann gibt es ihn?

Der Innungsverbund Schwaben existiert seit etwa einem dreiviertel Jahr. Er ist ein Zusammenschluss von sieben schwäbischen Innungen und hat das Ziel, unser Malerhandwerk nach außen zu vertreten.

Was waren die größten Herausforderungen in Ihren Innungen vor der Gründung des Innungsverbunds?

Die Herausforderungen in den sieben schwäbischen Innungen waren recht ähnlich. Zum einen haben wir über die letzten Jahre einen Mitgliederschwund beobachten müssen. Der Mehrwert, den Betriebe durch die Innungszugehörigkeit haben, wurde oft nicht mehr wahrgenommen. Und auch in der Bevölkerung fehlte die Aufklärung, was unsere Innungen und Betriebe leisten. Das lag einfach daran, weil jede Innung in Schwaben mit ihren Ressourcen für sich agierte und keine gemeinsame Stimme existierte. Dementsprechend mangelte es auch an einem zeitgemäßen Innungsauftritt.

Was war die Idee hinter der Gründung des Innungsverbundes Schwaben?

Im Kern wollten wir ein gemeinsames Marketing für unsere Innungen und Betriebe aufbauen. Dabei standen besonders zwei Zielgruppen im Fokus. Zum einen die Betriebe, die sich auf unseren Social-Media-Plattformen potenziellen Kunden mit ihren Leistungen präsentieren, aber auch neue Mitarbeiter finden können. Zum anderen wollten wir die Außenwirkung unseres Handwerks in der Bevölkerung stärken und unsere Attraktivität beim Nachwuchs erhöhen. Denn wir Maler und Lackierer machen so viel mehr als nur weiße Wände streichen. Die erste Aufgabe für uns war die Entwicklung einer gemeinsamen Corporate Identity, also eines einheitlichen Auftritts der Innungen im Innungsverbund Schwaben.

Welche Aufgaben übernimmt der Innungsverbund Schwaben heute?

Eine Hauptaufgabe des Innungsverbunds Schwaben ist die inhaltliche Betreuung unserer Instagram- und Facebook-Kanäle. Mit den Social-Media-Plattformen erreicht der Innungsverbund jeden Monat rund 18.000 Menschen. Auf den Kanälen können sich Innungen und Betriebe präsentieren und bekommen so eine hohe Sichtbarkeit. Darüber hinaus nutzen wir unsere Reichweite, um junge Menschen für unser Handwerk zu gewinnen und bieten auch der Industrie eine Plattform, auf der sie sich Verbrauchern präsentieren kann. Wir entwickeln zudem ständig unseren Markenauftritt weiter.

Sie sind ja sehr aktiv auf Social Media – warum ist das wichtig?

Wenn man wahrgenommen werden möchte, muss man heutzutage auf Instagram und Facebook präsent sein. Das gilt sowohl für uns Innungen als auch für unsere Betriebe. Mit unserem Angebot können Betriebe, die sich vorher kein Online-Marketing leisten konnten, konkurrenzfähig bleiben und ihre Außendarstellung verbessern. Außerdem stärken sie dadurch ihren Zugriff auf den Arbeits- und Ausbildungsmarkt. Nicht zuletzt fördern die sozialen Medien auch einen kollegialen Umgang untereinander und bringt Betriebe, Verbraucher, Nachwuchs und Industrie stärker zusammen.

Welche Synergien und Effizienzpotenziale konnten Sie durch den Zusammenschluss der Innungen heben?

Wir haben mit dem Innungsverbund eine viel stärkere Vernetzung innerhalb der Innungen und mit der Industrie erreicht. Es ist heute ein ganz anderes Miteinander in der Bezirksinnung sowie den Einzelinnungen zu spüren. Und nicht zuletzt haben wir unsere Reichweite in Schwaben durch den Zusammenschluss erheblich steigern können.

Welche Aufgabenbereiche werden weiterhin durch die einzelnen Innungen abgedeckt?

Die Hoheitsaufgaben der einzelnen Innungen bleiben bestehen, das heißt das Prüfungswesen, die Beratung vor Ort sowie auch das andere alltägliche Innungsgeschäft.

Wie war das Feedback zum Zusammenschluss?

Das Feedback von allen Seiten war durchaus positiv. Gegenstimmen haben wir bisher keine bekommen. Zu sehen, wie viele Postings wir gemeinsam seit der Gründung auf Social Media umsetzen konnten, macht uns stolz. Es ist zudem spürbar, dass die Akzeptanz bei unseren Mitgliedsbetrieben und den Innungen immer größer wird. Und auch die Industrie erkennt unser Potenzial und unterstützt uns mit Spenden, damit das Projekt weiter wachsen kann.

Aus Ihrer Erfahrung: Wann würden Sie die Gründung eines Innungsverbundes empfehlen?

Ein Innungsverbund ist nur sinnvoll, wenn die Bezirksinnung hervorragend miteinander arbeiten kann und in wichtigen Dingen einer Meinung ist. Sollte ein einheitliches und gemeinschaftliches Auftreten nach außen nicht gewünscht sein, würde ich von einem Innungsverbund abraten.

Welchen Tipp würden Sie Innungen geben, die über einen Zusammenschluss nachdenken?

Für uns hat sich das Motto „Einfach mal machen“ bewährt. Außerdem braucht es eine stets ehrliche und offene Kommunikation sowie das zeitnahe Anpacken von Problemen und Zielen.

Was haben Sie für die Zukunft des Innungsverbundes Schwaben geplant? Wie geht es weiter?

Im nächsten Jahr startet unsere Kampagne „Generation Malerhandwerk“, in der wir alle – vom Nachwuchs bis zum Meister kurz vor dem Ruhestand – ansprechen und abholen wollen. Bei unserem Projekt „Vogelhäuschen“ wird der Innungsverbund Schwaben ein Vogelhäuschen veredeln. Und unser Gestaltungspreis geht in diesem Jahr ebenfalls in die zweite Runde.

Herr Haneberg, wir danken Ihnen für das Gespräch