Liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren,
mein Name ist Steven Didssun und es ist mir eine große Ehre, als Präsident des Bundesverbandes Fahrzeuglackierer Sie zu unserem Deutschen Lackierertag begrüßen zu dürfen. Als erstes möchte ich gerne unsere Ehrengäste begrüßen, deren Anwesenheit dem heutigen Deutschen Lackierertag einen hohen Stellenwert verleiht und die damit auch ihre Unterstützung und ihr Engagement zeigen.
Ich begrüße ganz herzlich:
- Thomas Aukamm, Hauptgeschäftsführer ZKF
- Michael Pinto, Geschäftsführer BvdP
- Reinhard Beyer, Vorstandsvorsitzender BvdP
- Matthias Kaupp, Vorstandsvorsitzender WWU
- Mariusz Dechnig, Trainer des Fahrzeuglackierer Nationalteams
- Paul Kehle als Ehrenmeister des Deutschen Lackiererhandwerks im Bundesverband Fahrzeuglackierer mit seine Frau Christa
Herzlich willkommen!
Es ist für mich persönlich unglaublich wertvoll und bereichernd mit Ihnen zusammen für unsere Branche und unser Handwerk zu arbeiten und die Zukunft sinnvoll zu gestalten. Diesen Schulterschluss zwischen den Verbänden möchte ich an dieser Stelle nochmals betonen. Mir lag es von Anfang an am Herzen, die Berufsverbände stärker zu verbinden und damit die Autoberufe zu stärken. Gerade weil ich einen eigenen Betrieb habe, weiß ich, wie wichtig das ist. Nicht nur bei dem Thema Fachkräfte und Nachwuchsgewinnung müssen wir eine Sprache sprechen. Auch gesetzliche Vorgaben und regulatorischen Anforderungen betreffen uns alle zu gleichen Teilen.
Diese Themen anzugehen, geht nur gemeinsam und ich glaube, das haben wir bis jetzt super hinbekommen. Und ich bin mir ganz sicher, dass wir noch lange nicht am Ziel angekommen sind.
An dieser Stelle möchte ich mich auch bei dem Hauptamt im Bundesverband für das entgegengebrachte Vertrauen bedanken. Insbesondere Torsten Schmidt als Geschäftsleiter für den Bereich Fahrzeuglackierung und Hauptgeschäftsführer Mathias Bucksteeg. Und natürlich der größte Dank geht an meinen Vorstand: Kay Dähn, Andreas Lau, Arno Knöpfle, Martin Bereiter, Hubert Fluck und Alexander Wollmann.
Am 3. März 2023 habe ich das Amt von Paul Kehle als Präsident der Bundesfachgruppe übernommen. Und ich muss zugeben, dass ich zu dem Zeitpunkt das Ausmaß noch gar nicht abschätzen konnte, obwohl Ehrenamt im Handwerk für mich kein Fremdwort war. Seitdem werde ich häufig gefragt: Was macht ein Verband überhaupt? Ist Innung noch lebendig oder überhaupt zeitgemäß und warum tust du Dir das an? Denn nebenbei habe ich noch einen K&L-Betrieb mit 15 Mitarbeitern.
In der Meisterschule habe ich damals gehört „Innung ist die Seele des Handwerks“ - Danke an den Landesinnungsmeister aus Sachsen, Michael Eichler.
Und genau so ist es! Es ist genauso zeitgemäß und lebendig, wie wir es gestalten. Durch unser Engagement können wir aktiv an der Gestaltung von Rahmenbedingungen mitwirken, die für alle Betriebe nicht nur von Vorteil sind, sondern auch notwendig. Und damit meine ich nicht einen Rabatt bei der Betriebshaftpflicht. Es geht um qualitative Aus- und Weiterbildung, Vertretung von Interessen gegenüber Wirtschaft und Politik und vor allem geht es um die Pflege eines Gemeinschaftsgeistes. Das klingt vielleicht nicht so modern, ist aber wichtiger als je zuvor.
Ich möchte dazu meinen Teil beitragen. Es liegt mir einfach am Herzen, dass unser schönes Handwerk auch in Zukunft stark und wettbewerbsfähig bleibt. Und ein bisschen Tradition und Berufsehre hat auch noch nie geschadet.
Aus genau diesen Gründen haben wir am 30.01.2024 nach 50 Jahren Bundesfachgruppe den Bundesverband Fahrzeuglackierer gegründet. Mit diesem Status stellen wir uns nicht nur neuen Herausforderungen, sondern wollen auch der Öffentlichkeit zeigen, dass wir mehr tun, als nur ein bisschen lackieren. Als moderner Lackierbetrieb mit angeschlossener Karosseriewerkstatt sind wir doch dasselbe wie der Karosseriebetrieb mit angeschlossener Lackiererei.
Die Firma Uthoff ist das beste Beispiel dafür: ein hochmoderner Full-Service-Dienstleister, gewachsen aus einem Lackierbetrieb. Und genau deshalb brauchen wir die Gleichstellung gegenüber anderen Kfz-Berufen. Wir sind Volldienstleister für Versicherungen, Schadenssteuerer, Flotten, und Endkunden. Das geht nicht mehr mit einer Ausbildung zum Maler & Lackierer.
Wir sind als Fahrzeuglackierer ein eigenständiges reparierendes Handwerk in der Kfz-Branche. Wir arbeiten täglich an modernen Fahrzeugen, setzen instand, müssen Gefährdungsbeurteilungen erstellen, Reparaturabläufe festlegen und uns mit Fahrerassistenzsystemen auseinandersetzen, genau wie jeder Mechatroniker oder Karosseriebauer. Diesen Stellenwert werden wir für unsere Branche festigen und vor allem auch weiterentwickeln.
Dazu gehört auch die längst überfällige Aktualisierung unseres Berufsbildes, mit der wir im letzten Jahr begonnen haben. Es müssen die Grundlagen der Karosserie, Elektrik, Klimasachkunde, Airbag und Hochvoltausbildung vermittelt werden. Und auch da bin ich mir sicher, dass wir in Zusammenarbeit mit den benachbarten Handwerksverbände zu einer gemeinsamen Lösung kommen werden – und unsere Kompetenzen fair aufteilen können.
Passend zu dem zentralen Thema Ausbildung gehört auch die Nachwuchs- und Fachkräftegewinnung. Traditionell finden jedes Jahr die Bundesleistungswettbewerbe statt. Durch die Umbenennung in „Deutsche Meisterschaft“ wurde das 2024 seitens ZDH schon aufgewertet. Wir haben zudem die Aufgabenstellungen der Deutschen Meisterschaft an internationale Standards angepasst und das Niveau erhöht. Dadurch konnten wir vor allem technischer werden und das Berufsbild noch sinnvoller und praxisbezogener spiegeln.
Im Januar 2024 wurde dann das Fahrzeuglackierer Nationalteam gegründet, das auch schon den ersten Erfolg geholt hat. Was alles möglich ist, hat Jason Scherer im September 2024 in Lyon bei den WorldSkills mit einer Silbermedaille bewiesen. Von 23 Teilnehmern sind wir Vizeweltmeister der Fahrzeuglackierer! An dieser Stelle möchte ich Mariusz Dechnig meinen persönlichen Dank aussprechen: ohne deinen Einsatz wäre das gar nicht möglich!
Wir als Unternehmer schaffen Arbeitsplätze und wir geben Sicherheit. Wir tragen Verantwortung für die Ausbildung der nachfolgenden Generation. Die Ausbildung junger Menschen ist eine Herausforderung, keine Frage. Aber grundsätzlich zu sagen, wir bilden nicht mehr aus, ist der falsche Weg! Bei der Deutschen Meisterschaft der Fahrzeuglackierer beobachten wir Jahr für Jahr, dass es sie gibt, die hungrigen und lernwilligen jungen Menschen.
Und genau diese jungen Menschen gibt es zur Genüge, wir müssen sie nur fördern. Auch brauchen wir dringend mehr Sichtbarkeit für unser Handwerk, da nutzen keine Plakate oder großangelegte Kampagnen was. Wir müssen begeistern!! Und einfach zeigen, was im Handwerk alles möglich ist. Wer kann das besser als junge Menschen? Wir brauchen keine alten grauen Männer, die Druck aufbauen oder versuchen, irgendwelche Ideale zu vermitteln, an die sie selbst nicht glauben. Wir brauchen stattdessen junge Menschen, die als Vorbilder einen Sog erzeugen, die mitziehen und begeistern.
Ja, und auch diese neue Generation hat Vorstellungen und Ansprüche. Aber wenn wir die jungen Menschen mit auf unsere unternehmerische „Reise“ nehmen, fit machen und zielgerichtet ausbilden, werden wir einen spürbaren Erfolg erleben, an dem die Gesellschaft teilhaben wird.
Wir befinden uns nicht nur in einem Zeitalter von neuen Generationen im Nachwuchs, sondern auch in einer Zeit des Generationenwechsels in den Betrieben. Das ist meiner Meinung nach der Schlüssel zum Erfolg: Ich bin 42 Jahre jung, analog aufgewachsen und in die digitale Welt reingewachsen. Soziale Medien, digitale Prozesse und der Umgang mit Jugendsprache sind für mich normal. Meine Eltern können (übertrieben gesagt) nur analog und meine Kinder werden nur noch digital können.
Aber meine Generation ist in der Lage, alte Werte und moderne Sichtweisen zu verbinden. Wir müssen es nur zulassen, mehr Kompetenzen übertragen, mehr Verantwortung übergeben und vor allem mehr miteinander reden – im Betrieb, in der Ausbildung und auch im Ehrenamt.
Veränderung ist auch bei unseren Kunden zu spüren - sicherlich durch politische Forderungen, aber auch durch gesellschaftliche Veränderungen. Bestimmt hat jeder von Ihnen die spannende Nachhaltigkeitsdiskussion mitbekommen. Dieses Thema hat uns in den vergangenen Monaten viel Mühe gekostet und auch die ein oder andere kontroverse Diskussion hervorgerufen. Mittelfristig werden wir uns als Betriebe mit dem Thema auseinandersetzen müssen. Für uns stand deshalb nie zur Debatte, dieses wichtige Thema zu vernachlässigen oder zu blockieren. Ganz im Gegenteil: ein Umdenken ist notwendig. Vielmehr glaube ich, dass eine gewisse Sensibilisierung schon ein großer Schritt ist. Denn ich vermute, dass der überwiegende Teil der Betriebe bereits nachhaltig handelt, ohne es zu wissen. Möglicherweise wird dort nur noch der Feinschliff benötigt. Außerdem kann man ja fast schon sagen, dass das Handwerk die Nachhaltigkeit erfunden hat. Nicht umsonst arbeiten wir in einem Beruf, in dem Werterhalt und Instandsetzungen zum Tagesgeschäft gehören.
Gemeinsam mit dem ZKF, ZDK und BvdP arbeiten wir deshalb an einer einheitlichen, marktorientierten und vor allem umsetzbaren Lösung für das Handwerk. Das Wichtigste daran ist, die Führung den Verbänden zu überlassen, frei von wirtschaftlichen Interessen zu sein und den Betrieben keine Forderung von Industrie oder Wirtschaft aufzuzwängen.
Denn solange Automobilhersteller Fahrzeuge reparaturunfreundlich konstruieren, Scheinwerfer im Wert von Tausenden Euro aufgrund eines gerissenen Halters weggeworfen werden müssen und Sachverständige von Versicherungen lieber den Türgriff erneuern, anstatt eine Reparaturlackierung freizugeben, scheinen nicht dieselben Ziele im Fokus zu stehen. Fakt ist, dass wir unser Vorgehen für die Branche konsequent verfolgen, um eine gemeinsame Lösung zu erreichen. Natürlich stehen dabei auch weiterhin die Türen für konstruktive Gespräche mit allen Marktteilnehmern offen.
Die Vorträge hier beim DLT zeigen uns, welche Herausforderungen auf uns und die gesamte Branche zukommen. Diese zu bewältigen, geht nur gemeinsam – mit Ihnen als Betriebe, mit den Innungen und uns als Verband.
Wir müssen uns aktiv mit neuen Technologien und den damit verbunden Anforderungen auseinandersetzen. Der Markt verändert sich und wir müssen bereit sein, uns anzupassen und unsere Kompetenzen auszubauen. Vielleicht müssen wir aber zeitgleich auch aufhören, uns bei manchen Themen selbst zu zerstören. Und vielleicht auch anfangen, den Bauchladen zu verkleinern und uns weiter zu spezialisieren. Wir sind keine multifunktionalen Alleskönner, sondern verfügen über zahlreiche spezialisierte Fähigkeiten und Fertigkeiten, für die wir gemessen an Aufwand und Ausbildung gerecht entlohnt werden müssen.
Vielleicht fehlen uns im Moment noch die Fachkräfte, vielleicht führen wir aktuell Diskussionen über Gebrauchtteile und Elektromobilität und sind verunsichert wegen der wirtschaftlichen Situation – aber das muss in der Zukunft nicht so sein. Wir als Unternehmer haben die Aufgabe voranzugehen. Wir müssen kreativ denken, innovativ sein und unsere Chancen nutzen.
Zusammen können wir die Zukunft unserer Branche gestalten und sicherstellen, dass wir alle auch in den kommenden Jahren eine wichtige Rolle in der Mobilitätslandschaft spielen. Lassen sie uns diese Herausforderung annehmen, gemeinsam nach vorne blicken und mit Entschlossenheit und Optimismus in das noch junge Jahr starten!
Vielen Dank!



